Special-Erfa-Stammtisch, 17. Juni 2026, zum Thema: «Ergebnisse der Gemeindeumfrage 2026, Fokus Zusammenarbeit»

Ergebnisse der Gemeindeumfrage 2026 zeigen Handlungsbedarf und Chancen in der Zusammenarbeit

Wie gelingt erfolgreiche Zusammenarbeit in einer zunehmend digitalisierten Verwaltungslandschaft? Diese zentrale Frage stand im Fokus des Special-Erfa-Stammtischs vom 17. Juni 2026. Grundlage bildeten die Ergebnisse der aktuellen Gemeindeumfrage 2026, die ein differenziertes und zugleich aufschlussreiches Bild der Zusammenarbeit zwischen Gemeinden sowie mit kantonalen und nationalen Akteuren zeichnen.

Breite Beteiligung und solide Datengrundlage

Insgesamt haben 639 Gemeinden und Städte an der Umfrage teilgenommen, was einer Beteiligung von rund 30 Prozent entspricht. Damit liefert die Umfrage eine belastbare Grundlage für Aussagen zur aktuellen Lage der digitalen Transformation und zur Zusammenarbeit im öffentlichen Sektor. Die Ergebnisse sind über Sprachregionen sowie Gemeindegrössen hinweg repräsentativ und erlauben differenzierte Einblicke.

Zusammenarbeit gewinnt an Bedeutung, bleibt aber ausbaufähig

Die Resultate zeigen klar, dass Zusammenarbeit zunehmend an Bedeutung gewinnt. 62 Prozent der Gemeinden setzen bei Digitalisierungsprojekten bereits auf Kooperation statt auf eigenständige Lösungen. Gleichzeitig wird die Qualität der Zusammenarbeit insgesamt nur mit der Note 3,8 bewertet. Rund die Hälfte der Gemeinden beurteilt sie damit als lediglich genügend oder ungenügend.

Als wichtigste Treiber der Zusammenarbeit werden genannt:

Dem gegenüber stehen zentrale Herausforderungen:

Auffällig ist dabei, dass technische Aspekte nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die entscheidenden Hürden liegen vielmehr in Organisation, Führung und Zusammenarbeit.

e ID als Beispiel für aktuellen Handlungsbedarf

Ein besonders aktuelles Thema ist die Einführung der elektronischen Identität. Die Umfrage zeigt hier einen deutlichen Informationsbedarf:

Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer klareren Kommunikation und engeren Einbindung der Gemeinden bei nationalen Digitalisierungsprojekten.

Einordnung durch die Referenten

Die Ergebnisse wurden von Joachim Tillessen von der Hochschule für Wirtschaft FHNW präsentiert und anschliessend gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Bund, Kantonen und Gemeinden diskutiert.

Joachim Tillessen machte deutlich, dass sich die Zusammenarbeit zwar positiv entwickelt, die Herausforderungen jedoch weiterhin gross sind. Besonders betonte er, dass die digitalen Herausforderungen weniger technischer Natur sind. Vielmehr stehen Fragen der Koordination, der Organisation und der Zusammenarbeit im Zentrum. Er stellte zudem die These auf, dass hinter vielen Problemen eher Koordinations- und Effizienzdefizite stehen als ein reines Ressourcenproblem.

Peppino Giarritta, Beauftragter für die Digitale Verwaltung Schweiz, bestätigte die bestehenden Spannungsfelder zwischen Autonomie und Kooperation. Er hob hervor, dass die Koordination zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden weiter gestärkt werden muss. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung politischer Führung und klarer Prioritäten. Beim Thema e ID räumte er ein, dass die Kommunikation gegenüber den Gemeinden verbessert werden muss und entsprechende Massnahmen bereits geplant sind.

Katinka Weissenfeld vom Kanton Basel-Landschaft stellte heraus, dass Partnerschaften in der Praxis noch zu wenig ausgeschöpft werden. Sie machte deutlich, dass viele Herausforderungen weniger mit Autonomiefragen als vielmehr mit Prozessanpassungen zusammenhängen. An konkreten Beispielen zeigte sie, dass Standardisierung erhebliches Effizienzpotenzial birgt, etwa bei wiederkehrenden Verwaltungsleistungen. Ihre zentrale Botschaft war, dass Transparenz, Kommunikation und Zusammenarbeit entscheidend sind, um Fortschritte zu erzielen.

Bernhard Keller vom Verband St. Galler Gemeindepräsidien betonte aus praktischer Sicht die Wichtigkeit verbindlicher Rahmenbedingungen. Das Beispiel des Kantons St. Gallen zeigt, dass gesetzlich verankerte Zusammenarbeit und einheitliche Basisservices zu erheblichen Effizienzgewinnen führen können. Gleichzeitig machte er klar, dass Digitalisierung in erster Linie Organisationsentwicklung bedeutet und nicht primär ein IT-Projekt ist. Zudem wies er darauf hin, dass zwischen personellen und finanziellen Ressourcen unterschieden werden muss und beide eine zentrale Rolle spielen.

Claudia Kratochvil-Hametner, Direktorin des Schweizerischen Gemeindeverbands, unterstrich, dass die Gemeinden den Nutzen von Zusammenarbeit klar erkennen. Sie betonte die Bedeutung von Standardisierung und gemeinsamen Lösungen und stellte mit GemeindeConnect einen Ansatz vor, der den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden fördert. Gleichzeitig forderte sie mehr Klarheit und Unterstützung durch Bund und Kantone, insbesondere bei nationalen Vorhaben wie der e ID. Ihre zentrale Botschaft lautete, dass Zusammenarbeit die Gemeinden stärkt und ihre Handlungsfähigkeit langfristig verbessert.

Zentrale Erkenntnisse und Ausblick

Die Gemeindeumfrage 2026 zeigt deutlich, dass die Bereitschaft zur Zusammenarbeit vorhanden ist und weiter wächst. Gleichzeitig bestehen nach wie vor strukturelle, kulturelle und organisatorische Hürden, die aktiv angegangen werden müssen.

Die wichtigsten Schlussfolgerungen:

Der Special-Erfa-Stammtisch hat nicht nur die wichtigsten Zahlen aufgezeigt, sondern auch den Dialog gefördert. Er machte deutlich, dass die digitale Transformation kein Selbstläufer ist, sondern ein gemeinsamer Prozess, der aktives Engagement aller Beteiligten erfordert.

Die Grundlage für Fortschritte ist gelegt. Entscheidend wird sein, wie konsequent die Zusammenarbeit in Zukunft weiterentwickelt wird.

Mehr Informationen zur Gemeindeumfrage 2026 finden Sie hier:
https://www.minigmeind.ch/de/umfrage